Samstag, 12. Oktober 2013

"Sternentochter" von Anna Valenti

"An einem Märztag des Jahres 1889 ging ein junges Mädchen die Pappelallee hinauf, die vom Dorf Mahlsheim zu den höher gelegenen Häusern und schließlich zu der auf dem Jügelkamm gelegenen Burgruine führte. An ihrem linken Arm trug sie einen hübschen geflochtenen Weidenkorb, über den ein rot und weiß karriertes Tuch gebreitet war. Der Korb war nun, da sie die Zutaten des Mittagsmahls - Kartoffeln, ein Stück Schweinebraten und Bohnengemüse - bei der Großmutter abgegeben hatte, leicht an ihrem Arm. Sie schwang ihn vergnügt hin und her, sang leise vor sich hin und schien überhaupt recht guter Dinge zu sein."



"Sternentochter" von Anna Valenti

Verlag: dotbooks (2013)
Format: Ebook
ISBN: 978-3-95520-113-5
Preis: 5,99 € [D] 

Hier gehts zur Bestellung

☁ ☁ ☁ ☁


Inhalt


Die junge Caroline müsste sich eigentlich glücklich schätzen, als ihre Verlobung mit dem vermögenden und angesehenen August in die Wege geleitet wird. Doch dann verliebt sie sich unsterblich in einen armen Postillion und lehnt den Antrag, den August ihr kurz darauf macht, zum Entsetzen aller Beteiligten ab. Wütend und verzweifelt schicken ihre Eltern sie zu einer reichen Verwandten in die Stadt, die sie die Vorzüge eines Lebens in Wohlstand lehren soll. Doch es kommt alles anders, denn Caroline findet weiterhin Wege, sich mit ihrem Geliebten zu treffen, und auch ihre Patronin verfolgt eigene Ziele mit ihr. 


Meine Meinung


"Die Geschichte der Caroline Caspari beruht auf einer wahren Begebenheit. Sie ist den vielen unbekannten Frauen gewidmet, die es schon im 19. Jahrhundert wagten, sich zu emanzipieren. Die, deren Namen wir nicht wissen, deren Leid niemanden interessierte, deren Mut bewundernswert war und deren Kraft so viel größer sein musste als unsere." Schon anhand dieser Widmung wusste ich, dass mir dieses Buch gefallen würde, vorausgesetzt dass die Autorin dieses interessante und wichtige Thema angemessen aufgreifen würde. Und das tat sie auch, zumindest größtenteils.

Es dauerte ein paar Seiten, bis ich mich in die Geschichte eingefunden hatte. Die ersten Sätze verleihen dem Roman einen Märchen-Touch, was sich aber zum Glück im Laufe des Buches verliert. Dennoch blieb es streckenweise ein wenig kitschig, was aber, wenn ich genauer darüber nachdenke, gut zur Story passt: Frisch verliebt sein und denken, dass man die ganze Welt bezwingen kann; romantische Vorstellungen in einer Zeit, in der diese keinen Platz haben.

Mir hat die schleichende und subtile Veränderung gut gefallen, die in Caroline vorgeht, während sie im Haushalt ihrer reichen Verwandten lebt. Es ist nur menschlich, dass sie sich von Glanz und Glamour einfangen lässt und ich konnte ihr Verhalten und ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen. Diese Szenen haben mir auch deshalb gut gefallen, weil sie einen Einblick in die Vermessenheit und Dekadenz geben, die früher hinter gutbürgerlichen Fassaden brodelten. Und so gelang Valenti neben einer guten Story auch noch ein treffendes Gesellschaftsmodell.

"Gut heiraten, dachte sie, das ist doch das Beste, was eine Frau im Leben erreichen kann."

"Lebensglück heißt, ein sicheres Leben an der Seite eines angesehenen Mannes zu führen."

"War "jede Nacht" der Preis für die Sicherheit, für schöne Kleider, für Goldrandtassen und ein behagliches Leben?"

"Eine Frau ist, was ihr Mann ist."

Solche Sätze bringen mich zur Weißglut, vor allem wenn ich daran denke, dass es früher wirklich so war. Valenti schildert anhand ihnen anschaulich die vielen "Gründe" für diese Ansichten in der damaligen Zeit und Carolines Verzweiflung, als sie sich dagegen auflehnt und damit scheinbar die ganze Welt gegen sich aufbringt. Ich fühle mit allen Frauen, die sich damals unterwerfen mussten und mit allen, die das heute noch tun müssen. Wir sind schon weit gekommen, doch es liegt noch ein weiter Weg vor uns!

Etwa ab der Mitte des Buches war es mir unmöglich, das Buch noch einmal aus der Hand zu legen. Ich wollte nur noch wissen, wie es weitergeht und dabei habe ich total verdrängt, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt. Dementsprechend hat mich der üble Cliffhanger am Schluss geärgert, der besonders gemein ist, da der Folgeband der vierteiligen Reihe noch nicht erschienen ist *grummel* Deshalb, aber auch aus den oben genannten Gründen ist der nächste Band schon auf meiner Wunschliste.

Ich vergebe 4 von 5 Wolken für dieses Buch. Vielen Dank an den Verlag und das Team von bloggdeinbuch.de für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Der zweite Teil der Saga »Die Liebe der Sternentochter« ist erschienen. Dotbooks stellt wieder 20 Lese- und Rezensionsexemplare zur Verfügung:

    http://www.bloggdeinbuch.de/buch/664/?ref=fp-showcase-featured-pos2-more

    AntwortenLöschen
  2. Hier gibt's den Audio-Trailer zur Sternentochter-Saga 1 und 2:

    https://soundcloud.com/sarah-mirschinka/dotbooks-pr-sentiert-die

    Finde ich toll; man hört sich total rein. Die Bilder dazu entstehen im Kopf!

    AntwortenLöschen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)