Montag, 23. September 2013

"Jakobsweg im Smoking" von Philipp Winterberg

""Alle Pilger haben einen Rucksack, also fange ich mit dem Rucksackkauf an!" - Ein Gedanke, der wahrscheinlich vielen Pilgern zu Beginn der Planung durch den Kopf geht. So auch mir. Schon in den ersten Minuten im Trekking-Fachgeschäft fällt mir allerdings auf, dass die optimale Reihenfolge wohl eine andere ist. Da ich natürlich nicht weiß, wie viel meine Ausrüstung wiegen wird, kann ich nicht sinnvoll entscheiden, ob ich einen Rucksack mit Tragegestell oder ohne brauche."

"Jakobsweg im Smoking" von Philipp Winterberg

Verlag: Philipp Winterberg (2013)
Format: Ebook
ISBN: 1484889169 (Taschenbuch)
Preis: 5,29 € [D] 

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Inhalt:

Philipp Winterberg möchte auf dem Jakobsweg durch Spanien pilgern. Und das mit ultraleichtem Gepäck. Das erfodert zunächst einiges an Planung und noch mehr Geduld. Wie soll man zum Beispiel wissen, ob die Ferse im Wanderschuh gut sitzt wenn man keine Ahnung hat, wie sich eine gut sitzende Ferse anfühlt? Doch letztendlich kann nur die Pilgerreise selbst zeigen, ob an alles gedacht wurde.

Meine Meinung:

Als ich vor ein paar Tagen gefragt wurde, ob man mir dieses Buch zur Rezension zukommen lassen dürfe, war ich mir zunächst nicht sicher, ob das Buch etwas für mich ist. Ich reise zwar gerne, bin aber noch nie gepilgert und habe keinerlei Erfahrungen mit dem Jakobsweg. Da das Buch aber laut Beschreibung sehr amüsant ist und auch nützliche Tipps zum Packen von Rucksäcken gibt, was ja auch „normalen“ Reisenden zu Gute kommt, sagte ich schließlich zu. (Außerdem tat mir die kurze Auszeit von „Herr der Ringe“, direkt nach dem ersten Teil „Die Gefährten“, ganz gut ^^)

Der erste Teil des Buches behandelt das Einkaufen und das Packen vor dem Start, alles im Zeichen des Wortes „ultraleicht“. Da Winterberg zu Beginn auch keine Erfahrung mit Ultraleicht-Trekking hat, beginnt das Buch für ihn wie für den Leser mit den ersten Schritten auf diesem Gebiet und hält nützliche Tipps bei der Auswahl von allerlei Reisegegenständen bereit. Ich fühlte mich sehr erleichtert als ich las, dass auch andere Menschen manchmal wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg in Sport- und Outdoorgeschäften stehen.

Im zweiten Teil berichtet Winterberg in knappen Worten von seiner Reise. Er beschreibt Wegstrecken und Wetterlagen, Herbergen, freundliche und nicht so freundliche Pilger, die er kennen lernte und so weiter. Der Bericht ist wirklich äußerst minimalistisch angelegt, dabei jedoch für meinen Geschmack etwas zu bruchstückhaft und manchmal unzusammenhängend gestaltet. Sein Erzählstil hat durch ständige Einschübe von „Klasse.“ oder „Sehr schön.“ einen stets ironischen Unterton und bemüht sich in meinen Augen häufig unangenehm übertrieben um Humor:
„Er schaut wieder sehr durchdringend. In einem anderen Leben war er sicher mal ein Röntgengerät.“

„... doch auch die anderen vorrätigen Waagen zeigen sich überraschend launisch und fantasiereich widerborstig beim Versuch, sie probehalber auf Null zu stellen.“

Trotzdem - oder gerade deshalb - ist das Buch sehr kurzweilig und lässt sich in einem Rutsch herunterlesen. Das war vermutlich Winterbergs Intention, nur ein paar Appetitanreger hinzuwerfen um die Leser zum pilgern zu animieren :-)

Der letzte Teil enthält eine genaue Auflistung der Dinge, die Winterberg auf seiner Reise dabei hatte. Interessierte findet dort die genaue Produktbezeichnung und das Gewicht in Tabellenform und können somit für die eigene Reise kalkulieren.

Im Anhang hat Winterberg schließlich noch eine Preisliste sowie eine Übersicht über die Kilometer von Etappe zu Etappe zusammengestellt, so dass man sich in etwa ein Bild von Kosten und Wegstrecke machen kann, die auf einen zukommenen, sollte man die selbe Wegstrecke oder Teile davon pilgern wollen.

Das Buch enthält viele Fotos, die auf dem Kindle jedoch nur sehr klein und schwarz-weiß angezeigt werden können. Es ist aber eine Homepage angegeben, auf der man alle Bilder in voller Größe und in Farbe betrachten kann.

Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert für Unerfahrene potenzielle Pilger und, was das Packen betrifft, auch für andere Rucksackreisende. Wer auf einen ausführlichen Reisebericht hofft wird jedoch nicht auf seine Kosten kommen. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Ich mochte vor allem den ersten Teil. Die Beschreibungen, wie ein absoluter Outdoor-Anfänger mit seinen ersten Wanderschuhen oder dem Zwiebelschalen-Prinzip kämpft, finde ich einfach klasse.

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  2. Ja, stimmt. Das ist gut gelungen =)

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)